Als Auftragswerk der Schauspielbühnen Stuttgart schrieb unser Autor Gerold Theobalt den Text zu einem Schauspiel über die deutsche Rechtsprechung der Nachkriegszeit und ihre Schwierigkeiten im Umgang mit dem Grundgesetz. Gesinnung und Pflichterfüllung versus Gewissen und Verantwortungsgefühl: Die Gründerväter des Grundgesetzes wußten um die gegensätzlichen Kräfte in der jungen deutschen Demokratie. Hier die Vertreter derer, die ein Ende der „Nazi-Riecherei“ forderten, dort die Vertreter derer, die sich für die Aufklärung der NS-Verbrechen einsetzten. Diese konträren Rechtsauffassungen werden geradezu phänotypisch durch die Protagonisten des Schauspiels verkörpert.
Pressestimmen:
Was erlebt man auf der Bühne? Eine spannende Handlung die sehr klar und prägnant analysiert, wie Menschen sich zu einem grauenvollen Regime stellen. Globke redet seine Beteiligung schön, stilisiert sich gar zum Widerstandskämpfer, der Juden geholfen habe. Belegen kann er das nicht. Adenauer hielt ihm dennoch bis zum Schluß die Treue, erst mit seinem Herrn mußte Globke 1963 gehen.
Gerold Theobalt hat sich gut gebaute, spannende Dialoge ausgedacht und versteht es, Bauers und Globkes Biographien so gegeneinander zusetzen, daß deutlich wird, wie NS-Täterschaft nach 1945 weggeschoben, verleugnet und bagatellisiert wurde. Alle Personen von Theobalts Stück sind authentisch. Am Schluß glückt dem Autor eine eindrucksvolle Verdichtung. Bauer streitet sich mit Globke, den er vernimmt, und in diesem (erdachten) Dialog wird deutlich, wie der pflichteifrige Beamte Globke sich der Menschenfeindlichkeit der Diktatur unterwarf. Ernst Wilhelm Lenik zuzuschauen ist ein Genuß. Brillant spielt er Globke als einen vergrätzten und peinlich selbstgerechten Mann.
(Stuttgarter Zeitung)
Solange sich in diesem Land wie jüngst in Bamberg demokratisch gesinnte Bürger noch zu Menschenketten zusammenschließen müssen, um gegen die Aufmärsche von Neonazis zu protestieren, brauchen wir Theaterstücke wie „Alles was Recht ist“. Das am Donnerstag im fast voll besetzten Alten Schauspielhaus uraufgeführte Drama von Gerold Theobalt handelt im Stil eines Bühnenkrimis vom einsamen Kampf des aus Stuttgart stammenden Fritz Bauer gegen die zählebigen Relikte der Nazidiktatur im Deutschland der Adenauerzeit. Gerold Theobalts Stück beschwört den geistig-moralischen Zustand einer jungdemokratischen deutschen Gesellschaft, an deren Schaltstellen sich häufig ehemalige NS-Größen eingenistet haben.
(Kulturmagazin Stuttgart)
Die Geschichte:
Nur mit Unterstützung bedeutender politischer Persönlichkeiten konnte Dr. Fritz Bauer, der im Dritten Reich als Jude und engagierter Sozialdemokrat den Häschern des NS-Regimes nur knapp entronnen war, im Nachkriegsdeutschland die Berufung zum Hessischen Generalstaatsanwalt erhalten. Denn wäre es nach dem Willen des Bundeskanzlers Konrad Adenauer gegangen, so wäre er in Bedeutungslosigkeit versunken. Jetzt, an einflußreicher Position, kann er sich endlich dem Thema zuwenden, das für sein Empfinden für den Aufbau einer jungen Demokratie und deren Rechtssystem in Deutschland unerläßlich ist: Die Verbrechen des Nationalsozialismus’ aufzudecken und die Schuldigen vor Gericht zu stellen.
Im Rahmen seiner Vorbereitungen zu den „Auschwitz-Prozessen“ stößt Bauer 1960 auf den Namen „Globke“ und ist wie elektrisiert: Dr. Hans Globke, ehemals maßgeblich an den Nürnberger Gesetzen beteiligt, mittlerweile Staatsekretär und engster Vertrauter Konrad Adenauers, ist für ihn einer von denen, die nie für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen wurden, sondern sich als Opfer des Regimes darzustellen wußten. Nun aber hat Bauer endlich die Möglichkeit, Globke zur Vernehmung vorzuladen und der Wahrheit etwas näher zu kommen….
ALLES WAS RECHT IST
Schauspiel von Gerold Theobalt
(3 Damen, 5 Herren / Variable Dek.)
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