Also was tun, wenn Weinen nicht hilft? Tränen lachen...

 

 

 

DONNA QUICHOTE Kältetraining1

 

IM KÄLTETRAINING

 

 

Monolog von

SYLVIA HOFFMAN

 

1 D / var. Dek.

 

UA 23.03.2017 Torturmtheater Sommerhausen

mit Dorina Pascu

Regie Eos Schopohl

Ausstattung Angelika Relin

 

 

Kältetraining3"Rechte Hand" oder gar "Juwel" zu sein genügt Uschi nicht mehr, denn die gesellschaftliche Augenhöhe verweigert man ihr. Sie, die bisher immer Loyale, die für den Chef die Kohlen aus dem Feuer gerettet, für seine Lorbeeren immer eine zündende Idee parat hatte - die eigentliche kreative Kraft, hat es nun satt, möchte endlich auch dazugehören zu dieser Gesellschaft, die sie immer verachtet hatte. Nicht mehr den Kampf der alleinerziehenden Mutter kämpfen, den Makel einer Frau, die Spaß mit Frauen hat auf der Haut spüren. Dann die Geburtstagsfeier vom Chef - die Gelegenheit zur Selbstbefreiung. Zu seinem 50sten will sie die Bombe platzen lassen, die ihr die Anerkennung und seinen Sessel bringen soll. Und man macht es ihr leicht, denn auch hier läßt man sie nicht dazugehören, ist sie wieder nur Außenseiterin - eingeladen nur, weil man nicht umhin kam, halbherzig, nicht aus Freundschaft - und doch nimmt der Abend seine ganz eigene Wendung…

 

 

Mit dieser Donna Quichote, einer Bühnenadaption ihres Romans "Kältetraining" ist Sylvia Hoffman eine glutvolle Groteske gelungen, in der sie mit phantastischen, skurrilen Sprachbildern einen ereignisreichen Abend vor den Augen des Publikums lebendig werden läßt - urkomisch, bissig, traurig und verrückt zugleich!

 

 

Kältetraining7web"Mit der Uraufführung des Ein-Frau-Stücks „Donna Quichote im Kältetraining“ hat das Torturmtheater Sommerhausen am Donnerstag die Saison eröffnet. Die Adaption des Romans „Kältetraining“ von Sylvia Hoffman ist eine furiose, 75 Minuten lange (Selbst-)Abrechnung. Dorina Pascu als Uschi bricht ein Hadern, Höhnen, Spotten, Flehen, Lachen, Heulen von bannender Intensität vom Zaun – das ist auf kuriose Art verstörend und amüsant zugleich.

...Regisseurin Eos Schopohl hat eine verblüffend schlüssige Choreografie erdacht, in der Dorina Pascu ihre ungeheure Ausdruckskraft entfalten kann – inklusive Judith- oder Salome-Anspielung mit Plastikkopf auf Kartontablett.

Virtuos verwebt der Text mehrere Zeitebenen, virtuos springt oder gleitet Dorina Pascu zwischen diesen Ebenen umher. Und zeichnet dabei das Bild einer höchst geistreichen, wortgewandten Frau mit bemerkenswerten Talenten, wie etwa eine broadwaytaugliche Version des Chansons „C'est si bon“ zeigt.

Und doch weiß man nicht so recht, was man anfangen soll mit dieser Frau – mit ihrem Selbstmitleid, ihrer Galligkeit, ihrem Sarkasmus. Die sich nie getraut hat, das zu tun, was ihr Spaß macht, und die es nie fertiggebracht hat, im richtigen Augenblick Nein zu sagen. Vielleicht ist sie verwandt mit tragischen Helden wie Willy Loman („Tod eines Handlungsreisenden“) oder James Tyrone („Eines langen Tages Reise in die Nacht“). Vielleicht ist sie aber auch nur eine Frau, die unglaublich viel Pech hatte.“(Mainpost)

 

Produktionsfotos © Angelika Relin

 

 

 

Sylvia HoffmanSylvia Hoffman wurde in Berlin geboren, sie lebt heute in Frankfurt/M.

Mit ihrem Mann, einem amerikanischen Journalisten und Schriftsteller, lebte sie in Paris, Rom, München, Washington und New York. Ein eigenes Theater zu führen, war der Traum ihres Mannes, und da sie einer Theaterfamilie entstammt, teilte sie mit ihm diesen Wunsch, und die beiden eröffneten in New York City eine eigene Bühne ("mit einem richtigen Vorhang"), was stets eine gewagte, schwere Aufgabe war, die nur zwei Jahre währte, denn in einem Land, das Subventionen nicht kennt, war es schier unmöglich, ein Haus mit 160 Plätzen auf Dauer zu halten. Immerhin wurde Shakespeare gepflegt, und zur Eröffnung gab es "Die Zofen" von Jean Genet, und zwar erstmals in den USA - wie vom Autor gewünscht - von Männern gespielt.

Zurück in Deutschland, in Frankfurt, begann die Mutter dreier Töchter zu schreiben: Hörspiele, bei denen sie teilweise auch Regie führte, vier Theaterstücke, viele Kurzgeschichten und einen Roman ("Kältetraining"). Für die ARD-Krimireihe "Tatort" hat sie 16 Drehbücher verfasst und Regie geführt, die meisten für den Hessischen Rundfunk. Sie war übrigens die erste Frau, die sich regieführend an dieses »harte Metier«, wie sie sagt, heranwagte.

Sie inszenierte für das Fritz Rémond-Theater im Zoo und war von 2009 bis 2013 künstlerische Leiterin des Volkstheaters

 

 

 

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