Ein Volltreffer!

 

 

 

EIN MANNBean EIN MANN 5766

 

ZWEI CHEFS

 

(One Man Two Guvnors)

 

Komödie von
RICHARD BEAN

 

nach Goldonis „Il servitore di due padroni"

Deutsch von Peter und John von Düffel

 

3 D / 6 H / Stat./
variable Dekoration

 

UA Juni 2011 am Lyttelton, National Theatre London

 

DSE 02.11.2013 Theater Münster

 

Inszenierung Christian Brey

Mit Mark Oliver Bögel, Julia Stefanie Möller, Frank-Peter Dettmann, Florian Steffens, Carola von Seckendorff, Aurel Bereuter, Maximilian Scheidt, Maike Jüttendonk, Dennis Laubenthal, Ronny Miersch

 

Nachspielproduktion: Pr. 03.10.2014 Stadttheater Ingolstadt; 05.01.2015 Voralpentheater, CH-Luzern

 

 

 

Bean EIN MANN 0547Als der für sie vorgesehene Bräutigam Roscoe Crabbe umgebracht wird, kaum dass er aus dem Knast ist, verlobt Charlie Clench seine Tochter Pauline einfach mit Alan, dem Sohn seines Freundes und Rechtsanwalts Dangle. So muss er die Feier nicht absagen. Pauline ist's zufrieden, denn sie liebt den romantischen Möchtegernschauspieler Alan, während die Hochzeit mit dem schwulen Roscoe eine reine Geldheirat gewesen wäre. Die Party ist gerade in vollem Gang, als unerwartet der totgeglaubte Roscoe auftaucht - in Wahrheit ist es Rachel, die verkleidete Zwillingsschwester des Toten. Während die Beteiligten an der Hauptintrige um Geld, Versprechungen und Ehre kämpfen, macht Roscoes Leibwächter, der stets hungrige kleine Gauner Francis, Buchhalterin Dolly schöne Augen und lässt sich heimlich von einem zweiten Chef engagieren. Es ist Rachels Freund, zugleich Mörder ihres Bruders, der inkognito unterwegs ist. Das doppelte Engagement bringt Francis bald in arge Bedrängnis und verlangt ihm höchste Konzentration, irrsinnige Verrenkungen und immer neue Ausreden ab...

 

 

TwoGuvnors3Indem er ihn im halbseidenen Milieu im Brighton der 60er Jahre ansiedelt, erfindet Richard Bean Goldonis "Il servitore di due padroni" auf geniale Weise neu: spritzig, frech und quicklebendig. Die zentrale Szene, in m welcher der Held seinen beiden Herren gleichzeitig das Essen aufträgt, gerät Bean durch die Hinzuerfindung eines 80jährigen Obers glatt noch witziger als das Original. Dank einer erstklassigen Übersetzung besticht auch die deutsche Version durch schnodderigen Vorstadt-Slang und genau gesetzte Soziolekte. Eine echte Meisterleistung voller Slapstick, Wortwitz und temporeicher Schlagabtäusche.onemanguvnors1

 

 

...und das sagte die Presse zur Londoner UA:

 

»Die wilde Farce kombiniert die Struktur des Originals mit typisch anglosächsischem Sprachwitz und physischer Komik. Das Ergebnis ist eine der witzigsten Produktionen in der Geschichte des National(The Guardian)

 

»Richard Beans inspirierte und umwerfend komische Adaption ist der Hit dieses Sommers. Unwiderstehlich.« (The Telegraph)

 

»James Corden feiert ein triumphales Comeback als Komiker am »National« in One Man, Two Guvnors, einem wahnsinnig albernen und teuflisch mit Witzen gespickten Stück bester Unterhaltung (...) Ein Mann, zwei Chefs, ein Volltreffer.« (The Independent)

 

 

…und das sagte die Presse zur DSE am Theater Münster: Bean EIN MANN 0774

 

Drei Stunden Lach-Rekord mit "Ein Mann, zwei Chefs",…nun hat auch Münsters Schauspiel mit der Komödie „Ein Mann, zwei Chefs“ einen riesigen Weihnachtszeit-Knüller gelandet. Bei der Premiere am Samstag im Großen Haus steigerte sich das Publikum vor der Pause in einen Lach-Rausch, wie ihn der ehrwürdige Saal selten erlebt hat.

Das Stück von Richard Bean ist eine moderne Fassung von Carlo Goldonis spätbarocker Komödie „Der Diener zweier Herren“ aus dem Jahr 1746. Bean lässt die Handlung weitgehend unverändert im englischen Brighton des Jahres 1965 spielen. Doch er verwandelt die Commedia dell’Arte in eine so dröhnende, respektlose, obszöne und klamaukige Parodie auf das Boulevard- und Ohnsorg-Theater, dass es eine Lust ist.

Die Handlung ist wahnsinnig kompliziert, aber das macht nichts, denn sie ist egal. Das Ganoven-Liebespaar Rachel und Stanley hat in Notwehr Rachels Zwillingsbruder Roscoe getötet. Nun sind sie unterwegs zur Küste, um nach Australien zu fliehen, haben sich dabei aber aus den Augen verloren. Rachel hat sich als ihr toter Bruder verkleidet, um dessen Geld einzutreiben. Ihr Auftauchen in Brighton entsetzt Roscoes Verlobte Pauline, denn die hat sich mittlerweile einen anderen Mann geangelt, den überkandidelten Schauspieler Alan.

 

Die Situation eskaliert, als auch Stanley in Brighton eintrifft. Ohne Rachel zu begegnen, engagiert er ihren Leibwächter Francis. Der ist so pleite, dass er zwei Jobs braucht. Francis wird „ein Mann mit zwei Chefs“, die voneinander nichts wissen dürfen.Bean EIN MANN 1478

 

Und fast nur daraus besteht das Stück. Es ist eine Folge von Slapstick-Nummern, in denen Francis versucht, gleichzeitig seine beiden Herrschaften zu bedienen.

 

Schauspieler Maximilian Scheidt als Francis und Regisseur Christian Brey laufen dabei zu irrsinniger Form auf. Der Höhepunkt des Abends ist eine halbstündige Szene, in der Francis mit Hilfe des 86-jährigen Kellners Alfie (großartig: Ronny Miersch) das Essen serviert. Die Herrschaften sitzen rechts und links in zwei separaten Speiseräumen. Türen knallen, Fleischbällchen kullern und Alfie fliegt mit überdrehtem Herzschrittmacher in die Kulissen.

 

Regisseur Brey lässt seine Figuren so künstlich-naiv auftreten wie die Puppen der „Sesamstraße“, Maximilian Scheidt übernimmt sogar Ernies Kichern als Markenzeichen („Krr-Krr-Krrr“). Es gibt textfreie Einlagen, in denen Scheidt vor komischem Talent geradezu platzt: Als er fünf Minuten lang versuchte, einen schweren Koffer vom Boden aufzuheben, brach im hinteren rechten Parkett Hysterie aus. Die absoluten Schenkelklopfer des Stückes und der Inszenierung sind aber die Stellen, an denen Zuschauer mitmachen müssen. Teils sind das offenbar echte Gäste (Setzen Sie sich auf keinen Fall vorne links hin!), teils grandiose Statisten. Eine junge Frau namens „Sabine Krack“ muss während der Abendessens-Szene die Suppenschüssel halten und sich hinter einem gestreiften Tuch verstecken – das hintere rechte Parkett war der Ohnmacht nahe.

 

Bean EIN MANN 0447Der zweite Mega-Komiker neben Scheidt ist Florian Steffens als Schauspieler Alan mit lächerlicher Beat-Frisur. Auch das übrige Ensemble ist eine Wucht: Maike Jüttendonk als drahtige Rachel in Männerklamotten, Dennis Laubenthal als ölig-haariger Stanley, Julia Stefanie Möller als blondes Klischee-Dummchen Pauline. Sie alle sprechen vorzüglich und bezwingen die Akustik des Großen Hauses. Dabei hilft auch die Kulisse von Anette Hachmann: eine Drehbühne aus flirrenden Streifen und Punkten, die das Publikum hypnotisiert und das Ensemble schön weit vorn stehen lässt.

 

Und schließlich gibt es sogar Musik! David Rebel und seine Band liefern den Live-Soundtrack der swingenden Sixties und geben den Schauspielern immer wieder Gelegenheit, sich mit abstrusen Soli zu beteiligen. Florian Steffens‘ Trommel-Einlage auf seinem nackten Sixpack-Bauch wird Weihnachtsmarkt-Besuchern die Völlerei verleiden.

 

Aber mit 190 (!) Minuten Intensiv-Lachen verbrennt man auch viele Kalorien. Schnell los, gute Karten werden bald Mangelware sein.“ (Münsterland Zeitung)

  

Bean EIN MANN 6036„Der große Koffer sieht furchtbar schwer aus. Verzweifelt versucht Francis, ihn zu schieben, ihn zu ziehen. Dann hebt er ihn an, Stück für Stück in kleinen Schritten, begleitet jeweils von einem liebevoll gestöhnten „Ja!“. Und weil nach jedem dieser Stöhner das Publikum lauter und lustvoller lacht, kostet Hauptdarsteller Maximilian Scheidt die Szene hemmungslos aus. Gefühlte fünf Theaterminuten für eine alberne Koffernummer: herrlich.

Der komische Held des Stückes „Ein Mann, zwei Chefs“ von Richard Bean ist ein moderner Harlekin der italienischen Stegreifkomödie, ein „Diener zweier Herren“ im Jahr 1965. „Wir sind im 19. Jahrhundert – mindestens!“, ruft die ebenso heiratswillige wie einfältige Blondine, und die Zuschauer wissen längst: Zwischen Satire und deftigem Klamauk, zwischen feiner Pointe und grobem Klischee ist an diesem Abend so ziemlich alles drin.

Die Handlung des Stückes mit all seinen Verwechslungen wäre keineswegs schnell erzählt, ist aber auch nicht gar so wichtig: Francis, immer hurtig, immer hungrig, dient sowohl der als Mann verkleideten Rachel als auch deren angehimmeltem Stanley. In einem Pub mit warmem Essen spitzt sich die typische Komödien-Situation zu: Hinter hohen Schwingtüren wollen beide Chefs getrennt voneinander schlemmen (der eine ordert Bordeaux, der andere Chateauneuf-du-Pape), und mit wieselflinkem Tür-auf, Tür-zu nimmt das Boulevard-Spektakel Fahrt auf.

 

 Bean EIN MANN 5977Regisseur Christian Brey kann auf eine wortwitzige deutsche Version des 2011 uraufgeführten englischen Erfolgsstücks zurückgreifen: Peter und John von Düffel delektieren sich an Sätzen wie „Die Diagnose war Diarhoe, aber es war Diabetes.“ Viel wichtiger jedoch sind die wunderbar klamaukigen, bisweilen improvisierten Effekte in Anette Hachmanns liebenswert-greller 60er-Jahre-Ausstattung (diese Haartollen!): So holt der quirlige Maximilian Scheidt als Francis zwei Zuschauer auf die Bühne, die beim Kofferheben helfen müssen und auch danach noch herumgereicht werden. Sabine, die junge Suppenterrine-Halterin, darf am Ende den Applaus im Ensemble mitnehmen. Und wenn sich Ronny Miersch als greiser Gehilfe Alfie („Ich bin 86!“) an der Terrine festhält, um beim Weiterreichen die Balance zu verlieren und in die Kulisse zu purzeln, stellt man staunend fest, dass Kasperle-Theater auch im Großen Haus funktioniert, wenn es gut gemacht ist.

 

 An anderen Stellen scheint es, als hätte sich Sesamstraßen-Ernie (der furiose Scheidt hat auch die typische Lache drauf) in die Klimbim-Familie verirrt, zur „Blondine“ Julia Stefanie Möller, der schrillen Carola von Seckendorff, dem jovial zwinkernden Mark Oliver Bögel, dem lässigen Frank-Peter Dettmann und dem ulkigen Opa. Aurel Bereuter und Dennis Laubenthal servieren ihre Running Gags mit erstklassigem Timing. Hinreißend trumpft die zierliche Maike Jüttendonk in ihrer Verkleidung als breitbeiniger Kerl auf und rattert als Gipfelpunkt eines Running Gags brillant den Lexikontext über eineiige Zwillinge herunter. Dass ausgerechnet Florian Steffens einen jungen Mann mit Theater-Ambitionen mimt („Schicksaaal!“), der mit seinem Messer von Woolworth herumfuchtelt, erweist sich als wunderbare Parodie auf den münsterschen Hamlet.

 

Mit Skiffle und Beat gibt eine vierköpfige Band (Leitung: Jürgen Knautz) dem Abend Zunder: Bei der Premiere vergingen die drei Stunden Aufführungszeit wie im Fluge. Es scheint, als hätte Intendant Ulrich Peters einen passenden Nachfolger für „Edwin Drood“, den Publikumsliebling der letzten Saison, gefunden.“ (Westfälische Nachrichten)

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

drucken nach oben
Datenschutz | Impressum | Disclaimer

© 2017
AHN & SIMROCK Bühnen und Musikverlag GmbH
Hamburg